Geschichten
Eine kleine Ostergeschichte
Wisst Ihr Kinder, vor langer, langer Zeit gab es noch keinen Osterhasen. Da legten die Hühnchen die Eier und die Hähnchen bemalten sie. In einem Körbchen trugen sie vorsichtig die Eier zu den Kindern und stellten es vor die Tür. Die Kinder warteten schon gespannt auf das Osterfest. Und wenn es dann endlich so weit war, sprangen sie schnell aus ihren Betten und öffneten neugierig die Tür. Wie freuten sie sich über die vielen bunten Ostereier ...
Doch einmal wäre beinahe das Osterfest ausgefallen: Das Huhn Paula hatte gerade ein besonders großes Ei gelegt. Paula gackerte vergnügt: „Dock, dock, dock“, und rief: „Theo! Schau Dir mal dieses schöne große Ei an!“
Die beiden berieten sich, mit welcher Farbe sie es wohl bemalen würden, ob mit rot oder blau oder grün oder gelb. Sie entschieden sich für .... Doch was war das? Ein Gepolter und Geschepper, ein Klirren und Krachen. Paula und Theo liefen aufgeregt hinzu, und was mussten sie sehen? Die kleinen Küken Pieps und Schnups hatten alle Farbtöpfe umgeworfen und waren von oben bis unten voller Farbe.
Erschrocken schluchzte Pieps, der in einer großen, regenbogenfarbenen Pfütze stand: „Huhuhu, wir haben Verstecken gespielt. Und als ich mich gerade hinter dem roten Farbtopf verstecken wollte, rutschte ich auf einem Farbklecks aus und stieß dabei die Farbtöpfe um.“ „Und ich wollte Pieps helfen“, sagte Schnups. „Ich beeilte mich so sehr, dass ich über einen Pinsel stolperte und auf den Bauch fiel.“
Paula sah traurig von Pieps zu Schnups. Es war ja nicht das Schlimmste, dass die beiden Küken jetzt nicht mehr gelb, sondern kunterbunt aussahen - schließlich konnten sie sich ja waschen. Aber womit sollten nun Paula und Theo ihre Ostereier bemalen? Alle Farbtöpfe waren umgekippt, und die Farbe floss nur so heraus.
Während Paula ihre Küken wusch und den bunten Fußboden sauber machte, lief Theo zu seinen Nachbarn. Er wollte sie nach Farbe fragen, denn das Osterfest rückte immer näher, und die Eier mussten noch bemalt werden.
Die Henne Dux hörte sich die Geschichte an und gackerte: „Dock, dock, dock, das ist ja schlimm! Ich muss gleich mal nachschauen, ob ich noch etwas Farbe übrig habe.“ Sie wackelte davon, kam aber bald mit einem traurigen Gesicht zurück:„Nein, Theo“, sagte sie „die Farbe ist gerade alle geworden. Lauf doch noch schnell zu Henne Emma, vielleicht kann sie Dir helfen!“
Aber auch Emma hatte schon all ihre Eier bemalt und dabei die ganze Farbe verbraucht. Was sollten Paula und Theo nun tun? Bis zum Osterfest blieb nicht mehr viel Zeit. Also hieß es, die Farben selbst herzustellen. Aber dies würde lange dauern. Denn erst musste Theo zur bunten Blumenwiese wandern, um dort die Blumen mit den schönsten Blüten zu pflücken. Schnups und Pieps schämten sich sehr und baten: „Dürfen wir nicht mitgehen zur bunten Blumenwiese? Wir möchten so gern beim Pflücken helfen.“ Aber Theo meinte: „Es ist wohl besser, wenn Ihr hier bleibt. Der Weg ist so weit, dass Euch bald Eure Beine nicht mehr tragen können!“
Und tatsächlich wanderte Theo bald einen ganzen Tag. Er machte nur eine kurze Pause, um ein paar Körnchen zu picken, die er auf dem Weg fand. Endlich aber erblickte er die bunte Blumenwiese. Oh, wie sie duftete! Theo hätte sich gern auf der Wiese ausgeruht und sich an den prächtigen Farben erfreut, aber er musste sich beeilen. Schließlich rückte das Osterfest näher und näher!
Ihr wollt wissen, wofür Theo und seine Familie die bunten Blumen brauchen? Na, dann paßt mal auf! Paula war inzwischen schon sehr fleißig gewesen und hat große Töpfe mit Wasser bereitgestellt. Die beiden Küken halfen, wo sie nur konnten. So durfte dann Schnups etwas von dem geheimnisvollen Pulver, welches Paula sehr hütete, in die Töpfe geben, und Pieps durfte umrühren, bis das Wasser schäumte.
Müde kam Theo von seiner langen Wanderung zurück. Schnups und Pieps begrüßten ihn gleich fröhlich und meinten: „Du, Vati, leg´ Dich ruhig ein wenig hin und schlaf Dich aus. Die Farben werden wir schon mit der Mutti anrühren.“ Theo blickte stolz auf seine beiden fleißigen Küken, und er wußte, für ihn gab es jetzt wirklich nichts zu tun. Denn im Farbeeinrühren war Paula die beste Henne der Welt.
Sie sortierte erst die roten Blumen heraus. Vorsichtig wusch sie die erste Blume in einem der Töpfe, und da - das Wasser schimmerte schon etwas rosa. Und je mehr Blumen sie wusch, desto mehr verfärbte sich das Wasser, bis es am Ende leuchtend rot aussah. Nun kamen die blauen Blumen an die Reihe, dann die gelben, die grünen ...bis alle Töpfe mit Farben gefüllt waren. Und Schnups und Pieps rührten sie kräftig um. Jetzt konnten die Eier endlich bemalt werden!
Theo, der sich genügend ausgeruht hatte, verteilte die Pinsel, und sogar Pieps und Schnups bekamen zwei kleine, mit denen sie vorsichtig die Eier betupften. Paula sang vor Vergnügen ein Lied: „Bunte Eier in dem Nest, morgen ist das Osterfest ...“ Oh weh! Sie bekam einen riesigen Schreck: „Morgen ist ja schon das Osterfest! Theo, die Eier müssen doch noch trocknen, dann müssen wir sie zu den Kindern tragen, und der Weg ist doch so weit!“ Das stimmte.
Und Theo dachte: „Selbst wenn ich den ganzen Weg schnell laufe und kräftig mit den Flügeln schlage, würde ich es nicht schaffen, pünktlich bei den Kindern zu sein. Denn der Weg ist noch länger als der zur bunten Blumenwiese!“
Aber das Osterfest darf doch nicht ausfallen!!! Und während sie alle angestrengt überlegten, hörten sie draußen jemanden ein Liedchen pfeifen. Schnups und Pieps liefen zum Fenster und erkannten ihren Freund, den Hasen Langohr. Das war die Rettung! „Langohr, Langohr!“, riefen sie und winkten ihn herbei. Theo, Paula und die Küken erzählten ihm nun ihr Mißgeschick, und da Langohr sehr hilfsbereit war, sagte er: „Na klar helfe ich Euch! Schließlich habe ich erst den Hasenwettlauf gewonnen. Ihr sollt mal sehen, wie schnell ich zu den Kindern laufen kann!“ „Aber bitte paß gut auf die Eier auf, damit ja keines zerbricht!“, forderte Paula ein wenig besorgt den Hasen auf. Als sie jedoch sah, wie behutsam er den Korb nahm, war sie wieder beruhigt.
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Und dann flitzte Langohr los. 1, 2, 3 war er schon bei den Kindern. Was hatte Theo ihm noch nachgerufen? Er sollte den Eierkorb bei den Kindern vor die Tür stellen?
Aber nun hatte er sich so beeilt, dass sogar noch ein wenig Zeit blieb. „Vielleicht kann ich auch die Eier verstecken?“, dachte sich der Hase Langohr. „Das macht doch den Kindern bestimmt viel mehr Spaß, wenn sie die Ostereier suchen können!“ Und damit hat er Recht behalten. Wie freuten sie sich, als sie ein buntes Ei unter einem Strauch, im Gras oder hinter dem Haus entdeckten. |
Langohr, der von einem kleinen Hügel aus das muntere Treiben beobachtete, war sehr zufrieden mit seiner Idee. Er lief wieder zurück zu Theo, Paula und den Küken und erzählte, noch ganz außer Atem, was mit den Eiern geschehen war. „Und nächstes Jahr helfe ich Euch gern wieder“, meinte er. Tja, und so ist es auch bis zum heutigen Tage geblieben.
So, liebe Kinder, damit ist die Geschichte eigentlich zu Ende. Aber die ganz schlauen unter Euch werden sich noch an den Anfang der Geschichte erinnern und nun fragen: „Wie haben denn nun Theo, Paula und die Küken das besonders schöne, große Ei bemalt?“ Ich würde vorschlagen, nehmt Euch Pappe, schneidet Euch ein großes Ei aus und bemalt es mit Farbe wunderschön, dann wißt Ihr´s. Auch könnt Ihr zu dieser Geschichte viele Bilder malen oder einfach dazu kneten. Und wer sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen möchte, sucht sich noch ein paar Freunde und spielt die Geschichte nach.
Viel Spaß!

Der tollpatschige Osterhase
Es war einmal ein kleiner, tollpatschiger Osterhase. Dem fiel beim Ostereier-Bemalen immerzu der Pinsel weg oder er tupfte mit der Nase oder mit den Ohren in die Farbe. So hatte er schließlich eine rote Nase, ein gelbes und ein grünes Ohr, ein blaues und ein weißes Bein und ein violettes Puschelschwänzchen.
Alle anderen Osterhasen lachten, wenn sie ihn sahen: „Hahaha, du hast ja eine ganz rote Nase“, und „hahaha, du hast je ein gelbes Ohr“, und so weiter.
Zum Schluss fiel dem tollpatschigen Osterhasen der ganze Farbtopf um, und auf dem Boden gab es eine große Pfütze. „Ach, du liebe Zeit!“, rief der kleine Osterhase. Und dabei stieß er aus Versehen an den Tisch und alle Eier, die unbemalten und die bereits von ihm angemalten, fielen hinunter in die bunte Pfütze. Ein Glück, dass die Eier nicht kaputt gingen, denn der Waldboden war weich vom Moos und von den Gräsern.
Wieder lachten die anderen Hasen über den armen kleinen Tollpatsch, und der weinte eine zeitlang.
Aber als er anfing, die Eier wieder in den Korb einzusammeln, sah er, dass sie in der bunten Farbpfütze ganz wunderschön geworden waren. Auf manchen Eiern hatten sich kleine Gräser und Blumen gelegt, und an diesen Stellen waren sie weiß geblieben, während sie sonst ganz bunt wie ein Regenbogen aussahen.
Als die anderen Hasen sahen, wie schön die Eier des kleinen Tollpatsches geworden waren, da hörten sie schnell auf zu lachen und wurden ganz still.
All die Kinder haben nach zu Ostern am liebsten die schönen, bunten Eier des tollpatschigen Osterhasen gegessen. Als die Kinder ihre Eier im Wald suchten und sich über die besonders schönen Regenbogenfarben und die Gräser und Blumen auf den Eiern freuten, da hat der kleine tollpatschige Osterhase hinter einem Busch gesessen, den Kindern zugeschaut und dabei ganz leise gelacht. Von Heinrich Hannover
Das Osterhasenmärchen
Es gab in einem großen tiefen dunklen
Wald eine Osterhasenschule. Alle kleinen Häschen besuchten sie jeden Tag und
lernten Ostereier zu bemalen. Es gab in dieser Schule viele kleine Tische, auf
denen die Eier in einer Halterung standen, damit sie nicht umgestoßen werden
konnten, denn zwischendurch tobten die Häschen wild umher. Nur eines nicht, das
saß ganz in der Ecke auf einer Kiste und schaute nur Tag für Tag dem ganzen
Treiben zu. Niemand wurde gezwungen ein Osterhase zu werden, denn das war eine
Regel der Osterhasenschule.
Dieses kleine zuschauende Hasenkind
spitzte die Ohren nach allen Seiten, um irgendwie zu erfahren, woher denn die
immer neuen Eier kämen. Manchmal rief es quer durch den Raum: "Hallo
Freunde, kann mir mal einer sagen wo täglich die Eier herkommen?" Dann
wieder zupfte es jeden Einzelnen am Fell und fragte mit schriller Stimme:
"Wann hast du dieses Ei gelegt und wo?" Dem Osterhasenoberlehrer war
das nicht recht und er schlich sichtlich nervös durch Reihen und Bänke, in der
Hoffnung, dass das kleine fragende Häschen bald verstummen möge.
Jedes mal wenn es wieder Fragen
stellte, taten alle sehr beschäftigt, tauchten große und kleine Pinsel in bunte
Farbentöpfe, drehten die Eier hin und her, konzentrierten sich einfach nur auf
das Anmalen. "Warum malst du nicht mit?", fragte eines Morgens ein
neuer Hasenlehrer den in der Ecke sitzenden kleinen Hasen, der wie immer seine
Ohren spitze, um doch noch irgendwie auf das "Geheimnis" der
Osterhasen zu kommen.
Von seinen Eltern erfuhr es stets,
dass Hasen keine Eier legen können, sondern ganz ganz niedliche winzige
klitzekleine Häschen bekämen. Daher wurde seine Neugierde immer größer und es
dachte Tag und Nacht darüber nach, wie es dem Geheimnis auf die Spur kommen
könnte. Eines Tages hatte es eine Idee.
Es hatte bemerkt, dass alle zur
gleichen Nachmittagszeit nach Hause gehen mussten und durften auch niemals
zurückkommen, falls sie etwas vergessen hatten. So wollte es die Schulleitung.
Jeden Tag schrieb ein anderer kleiner lernender Osterhase die Regeln mit bunter
Hasenkreide an eine Tafel, die gegenüber der Tür hing. Als das neugierige
Häschen mal fragte: "Warum müssen wir denn so pünktlich gehen und dürfen
nicht noch ein wenig bleiben oder zurückkommen?", fasste der neue
Hasenlehrer ihn bei den Ohren, hob ihn hoch und schwang ihn durch die Lüfte hin
und her. "So ergeht es jedem von euch, der unnötige Fragen stellt, denn
Osterhasen legen seit vielen Jahrhunderten Eier und damit basta!" Ängstlich
und erschrocken hoppelten die gehorsamen Hasen schnell nach Hause.
Nur das neugierige Häschen nicht,
denn es versteckte sich heimlich still und leise in die Kiste in der Ecke, auf
der es immer saß und nachdachte. Es war bereits finster geworden, als knarrend
die Tür aufging und ein alter Hase mit einer Kiepe auf dem Rücken in den Raum
trat. Er stellte den Korb auf den Fußboden und packte vorsichtig die schönen
bunten Eier in die Kiepe, setzte sich anschließend in die Hocke, schnallte sich
alles auf den Rücken und machte sich schnaufend davon. Was das neugierige
Häschen da zu sehen bekam, war so beeindruckend und spannend, dass es sich
ebenfalls aus der Tür schlich und dem alten Osterhasen nachhoppelte, aber leise
und unbemerkt. Lange schlichen sie so durch den dunklen Wald bis hin zu einer
Lichtung.
In der Nähe stand ein altes
Bauernhaus mit einem angrenzenden Hühnerstall, in den der schwerschleppende
Hase verschwand. Vorsichtig schloss er die morsche Tür und stieg einige Stufen
die Hühnerleiter hinauf. Von großer Neugierde geplagt stellte sich das Häschen
draußen hoch auf die Hinterbeine und schaute durch eine geöffnete Luke. Was es
da sah, konnte es kaum fassen. Seine sonst gespitzten Ohren klappten vor
Schreck nach unten und seine langgestreckten Hinterbeine fingen an zu zittern.
Es sah die friedlich schlafenden Hühner, die von weißen Eiern umgeben waren und
sah aber auch, wie der alte Hase diese Eier mit seinen mitgebrachten bunten
Ostereiern vertauschte. "Also das ist das besagte, ewige
Osterhasengeheimnis", dachte das kleine Häschen und stellte sich hinter
einen dicken Holzbalken, um vom alten Osterhasen nicht gesehen zu werden, wenn
er den Hühnerstall verlässt. "Ich hab's wieder geschafft", hörte es
den Alten murmeln, der wieder mit der neuen weißen Eierlast im dunklen Wald
verschwand.
Da das neugierige Häschen nun aber
noch nicht wusste, was mit den bunten Eiern geschah, blieb es bis zum Morgen in
seinem Versteck. Eine gekrümmte alte Frau kam schlurfend auf den Hühnerstall
zu, öffnete die Tür und holte freudestrahlend die buntbemalten Eier aus den
Nestern. "Welch eine Freude für die vielen Kinder in unserem Land!",
rief sie laut in die Morgenlüfte, denn hören konnte sie keiner weit und breit.
Das nächste Haus war weit entfernt.
Das ist nun das
"Osterhasengeheimnis". Wie immer ging das neugierige Häschen in die
Osterhasenschule und saß diesmal wissend und gelassen auf der gewohnten Kiste
in der Ecke. Es lächelte still schmunzelnd vor sich hin und sang ein
selbstgedichtetes Hasenlied. "Ich bin ein schlauer Hase und gebe keine
Ruh', denn Hasen legen nicht Eier vor Ostern immerzu. Oho, aha, ihi - ich bin
ein schlauer Hase!" Dieses wiederholte er oft und gerne, bis der
Oberhasenlehrer, der das schon draußen hören konnte, ihm erneut die Ohren lang
zog und ihm das Lied ein für allemal verbot. Beschämt aber nicht traurig setzte
es sich still in seine Ecke. All seine Hasenfreunde fingen auch an, ihm das
Singen zu verbieten, denn sie wollten gute Osterhasen werden und mussten daher
viel lernen.
Eines Morgens stellte sich das
neugierige Häschen auf die Kiste und sagte mit fester Stimme: "Seit ich
das Geheimnis der Osterhasen kenne, hält mich nichts mehr in dieser
Osterhasenschule. Ich will kein Osterhase mehr werden, denn ich suche mir
lieber eine Hasenfrau, und die legt mir klitzekleine süße Hasenkinder ins Nest.
Ich gehe jetzt und komme auch nie mehr zurück!" Erstaunt schauten die
übrigen Hasen und der Oberhasenlehrer dem davonhüpfenden Häschen hinterher, das
nie wiederkam. Mit ihm verschwand auch das Osterhasengeheimnis. Weil alle
anderen Osterhasen es nie erfahren konnten, verbreitete sich dieses Märchen vom
"eierlegenden Osterhasen" über die ganze Erde.
Zuhause erzählte das nun wissende
Häschen alles ausführlich seinen Eltern. Sie nahmen es in den Arm, drückten und
küssten den Kleinen so heftig, dass er ganz verzottelt aussah und bestätigten
ihm erneut, dass Hasen keine Eier legen können, sondern nur die Hühner.
"Aber warum gibt es denn dieses Osterhasenmärchen?", fragte es ganz
leise und sah hinauf zu seinen Eltern. "Warum," erwiderte der Vater
"weil die kleinen Menschenkinder gerne Märchen hören und die Erwachsenen
sie gerne erzählen."
Lisa´s Ostergeschichte
Als ich 6 Jahre alt war, hatte mein Vater in einem Brutkasten viele Eier ausgelegt, der dann eine zeitlang Tag und Nacht mit einer Glühbirne geheizt wurde.
Wir Kinder warteten sehnlichst auf den Tag, als die Küken endlich begannen, nach und nach auszuschlüpfen.
Es war für uns etwas ganz Neues und bald war der Brutkasten voller gelber Küken. Ich sass oft und lange dort und sah dem Treiben zu. Ich wollte wohl einem Küken helfen, die kleine Leiter hochzusteigen und fasste es wahrscheinlich ziemlich unsanft am Kragen.
Auf jeden Fall lag es dann schlapp am Boden und obwohl ich dem Küken immer wieder sagte, es solle doch bitte aufstehen und laufen ... es war leider tot.
Meine Eltern haben es wohl beobachtet und wollten mir eine Lektion geben, denn als wir die Osterteller suchten, war in meinem Teller nur das tote Küken und keine Ostereier, -hasen- oder -küken!
Ich weiss noch wie heute, wie leid es mir tat, dass ich am Tod des Kükens schuld war. Ich sass auf einem grossen Stein und heulte bitterlich.
Später kam dann meine Mutter, nahm mich in ihre Arme und herzte und küsste mich. Sie erzählte mir, dass man mit kleinen Tieren sehr behutsam umgehen müsse usw.
Ich erhielt natürlich auch meinen normalen Osterteller mit allen Süssigkeiten wie mein älterer Bruder.
Vergessen habe ich das nie.
Als ich später meine eigenen Kinder hatte, haben wir immer irgend welche Tierchen im Haus und Garten gehabt und streunende Kätzchen aufgesammelt.
Ich bin sicher, dass meine Eltern ihr Ziel erreicht haben und aus ihren Kindern tierliebende Menschen gemacht haben.
Sein Name ist Hase!
Zwei kleine Feldhasen
Bei einem blühenden Ginterbusch liegen Lorre und Betsy in einer Feldmulde, dicht an den Boden gedrückt. Die beiden Hasenkinder warten auf die Mutter, die auf den Krautacker gehoppelt ist.
Lorre und Betsy warten und lauschen. Sie sind noch sehr klein; erst vor vier Tagen wurden sie geboren. Aber sie sind schon fertige Hasen mit Fell, offenen Augen und feinem Gehör.
Um sie herum sind Laute und Geräusche: ein Sirren, ein Summen, ein Vogelschrei, ein Rascheln zwischen dürren Gräsern; Schritte, die sich nähern und wieder entfernen. - Und dann kommt die Mutter zurück. Die beiden Häschen erkennen sie an ihrem leisen beruhigenden Knurren. Aber sie springt nicht gleich zu ihnen in die Mulde. Sie hoppelt am Lagerplatz vorbei, zieht einen weiten Bogen, läuft auf der eigenen Spur ein Stück zurück, und erst wenn sie ihre Fährte genügend verwischt hat, setzt sie mit einem Hops in die Kuhle zu ihren Jungen. Lorre und Betsy fangen sofort zu saugen an. Graubraun wie die Erde liegen alle drei in der Kuhle, gut getarnt gegen ihre Feinde, den Fuchs und den Habicht und die Raben.
Aber bei Nacht krabbeln auch Lorre und Betsy aus ihrem Versteck. Wenn sie acht Tage alt sind brauchen sie schon ein paar zarte Knospen und frischen Klee. Sie müssen schauen, dass sie bald selbständig werden, denn lange wird die Mutter sie nicht mehr säugen. Dann geht sie wieder ihre eigenen Wege und bekommt bald neue Junge.
Auf ihren nächtlichen Ausflügen bleiben Lorre und Betsy dicht beieinander. Sie beschnuppern alles ganz genau: Den Löwenzahn, die scharfen Pfefferminzblätter und die vertrocknete Schnecke. Ihre kleinen Nasen sind ständig in Bewegung, und die Ohren halten sie steil aufgerichtet, damit ihnen kein Geräusch entgeht.
Wenn der Schatten einer Eule im Mondlicht über sie hinweghuscht, flüchten sie ins Gebüsch und drücken sich flach auf die Erde. Und wenn sie der Mutter anzeigen wollen: Hier sind wir, dann trommeln sie mit den Pfoten auf den Boden. Sogar ihr Fell putzen sich Lore und Betsy schon selbst. Sie machen das sehr gründlich. Aufrecht sitzen sie auf den Hinterläufen, machen ihre Vorderpfoten mit Spucke nass und fahren sich damit über das Gesicht und den Kopf. Dann kommen die Ohren dran. Zuerst ziehen sie das eine, dann das andere mit den Pfoten herunter und bearbeiten es ausgiebig. Das übrige Fell belecken sie mit der Zunge und kämmen es mit den Schneidezähnen durch.
So klein sie sind, sie haben schon Zähne; Die haben sich mit auf die Welt gebracht. Heute in der Früh hatten Lorre und Betsy ein aufregendes Erlebnis. Sie haben den Wettlauf ihrer Mutter mit einem Hund beobachtet. Gerade als die Mutter sich der Mulde mit den Jungen nähern wollte, kam ein riesiger Hund über das Grasland gerannt. Die Häsin blieb in einigem Abstand zu Betsy und Lorre sitzen. Zu den Jungen durfte sie jetzt nicht. Wenn der Hund sah, wohin sie lief, würde er die Hasenkinder entdecken.
Bis auf wenige Meter ließ die Häsin den großen Hund an sich heran, dann schnellte sie mit einem Satz auf und raste davon. Der Hund hetzte hinter ihr her. Lorre und Betsy verfolgten die Jagd von ihrem Versteck aus mit klopfendem Herzen.
Mit weiten gestreckten Sprüngen lief die Mutter über das Grasland. Ganz leichtfüßig sah das aus. Einmal kam der Hund ihr dicht auf die Fersen. Da änderte sie blitzschnell die Richtung und rannte entgegengesetzt weiter. Der Hund merkte das zu spät. Er raste noch ein Stück fort, und als er in vollem Lauf wenden wollte, überschlug er sich beinahe. Die Häsin aber war mittlerweile im Buschwerk verschwunden.
Lorre und Betsy werden das auch bald können: so geschwind laufen wie die Mutter, Haken schlagen und denVerfolger täuschen. Lang wird es nicht mehr dauern, denn sie werden von Tag zu Tag größer und kräftiger. Sie gehen schon nicht mehr ständig zusammen auf Erkundungen aus. Lorre hat den Weg zum Krautacker ganz allein für sich gefunden, und Betsy hat ein Kleefeld entdeckt. Dort sitzt sie jeden Abend in der Dämmerung und mümmelt die saftigen Kleebüschel. Dabei ist sie wachsam. Wenn sie frisst, hält sie von Zeit zu Zeit inne, richtet sich auf und lauscht mit hochgestellten Ohren.
Da - am Waldrand rührt sich etwas. Es tappt näher, leise und gefährlich. Ein Schatten schleicht sich an. Betsy schnellt mit einem Satz hoch und rennt los. Zum ersten Mal rennt sie um ihr Leben. Sie hetzt über das Kleefeld, setzt über einen Graben, rennt nach Hause zur Erdkuhle beim Ginsterstrauch!
Ihren Verfolger hat sie abgeschüttelt. Aber die Mulde findet sie leer. Die Mutter und Lorre sind fort. Sie kommen in dieser Nacht nicht zurück und auch am folgenden Tag nicht. Denn von jetzt ab wird jeder seinen eigenen Weg gehen.
Betsy setzt sich auf die Hinterläufe und beginnt ihre Ohren zu putzen. Eins nach dem anderen, ganz gründlich. Dann verlässt auch sie die Mulde, in der sie geboren wurde, für immer und hoppelt im Schein des Vollmonds über das Grasland davon.
Eines Morgens, als Isabella aus dem Fenster sah, entdeckte sie auf der Wiese des Vorgartens ein Ei. Es war ein komisches Ei. Etwas kleiner war es als ein normale Eier. Außerdem war es nicht richtig eiförmig, sondern mehr rundlich. Und als die Sonne darauf schien, hatte es eine zarte durchscheinende Schale mit einem grünen Fleck.
Krokodilei ! sagt Isabella zu ihrem Bruder Jan-Hendrik. Wenn die Sonne lang genug darauf scheint schlüpft vielleicht ein kleines Krokodil heraus? Eines mit Höckeraugen und einen Schuppenschwanz.
Vielleicht ist es auch ein Schildkrötenei, sagt Jan-Hendrik. Der grüne Fleck sieht ganz nach Schildkröte aus. Wenn die Schildkröte ein wenig gewachsen ist, dann werde ich sie an die Leine nehmen und mit ihr spazierenreiten.
Vielleicht ist es eine Seeschildkröte, sagt Isabella. Macht nichts, dann gehen wir mit ihr zum Schwimmen, sagte Jan - Hendrik. Und wenn es eine Suppenschildkröte ist? Dann werden wir sie gut verstecken, antwortete Jan - Hendrik.
Vielleicht ist es auch ein Wunschei! überlegt Isabella. Was ist ein Wunschei? erkundigte sich Jan - Hendrik. Ganz einfach: Man kann sich wünschen, was man will, dann platzt die Schale des Wunscheis auf und es kommt heraus antwortet seine Schwester. Dann wünsch ich mir einen blauen Elefanten, sagt Jan - Hendrik. Verrückt! Was machen wir denn mit einen blauen Elefanten?
Ach, sagt Jan-Hendrik und seufzte. Ich fürchte, es ist sowieso bloß ein ganz normales, gewöhnliches Hühnerei. Dann kann man es auch verwandeln sagte Isabella. Man kann Rührei daraus machen, Spiegelei, oder Omelett, einen großen Kuchen oder - ein Osterei.
Man könnte es ausbrüten, dann schlüpft ein Küken heraus, sagt Jan-Hendrik. Das wird größer und größer. Dann legt es selber Eier. Aus jedem Ei schlüpft wieder ein Küken. Die werden groß und legen viele tausendmillionen Eier.... Halt ! Halt ! rief Isabella. Dann ist unser Vorgarten voller Eierschalen, und wir wissen nicht, wo wir spielen sollen!
Ich bin dafür, dass das kleine runde Ei mit dem grünen Fleck ein Papageienei ist. Es wird ein kleiner bunter Papagei ausschlüpfen. Den setzen wir in einen goldenen Käfig und bringen ihm das sprechen bei. Das ist keine gute Idee, sagte Jan-Hendrik. Ein Papagei im Käfig ist bestimmt traurig, dass er eingesperrt ist, und wird kein Wort mit uns reden.
Vielleicht ist es ein Marzipanei, sagte Isabella.Und wenn die Sonne noch länger darauf scheint, dann wird es weich und läuft uns weg. Komm, wir wollen es holen! Isabella und Jan-Hendrik zogen sich rasch Strümpfe und Schuhe an und liefen die Treppe hinunter in den Garten.
Im Nachbargarten spielten die Kinder Tischtennis. Könnt ihr uns mal bitte den Ball herüber werfen ? bat eines. Jan-Hendrik hob das Krokodil-Elefanten-Schildkröten-Papageien-Ei auf. Isabella warf es über den Zaun. Da war es plötzlich ein einfacher Tischtennisball und hüpfte, ping-pong-ping, genau wie die anderen weißen Bälle von einer Seite der Tischtennisplatte zur anderen.
Die letzten Geheimnisse des Langohrs:
Was man zu Ostern immer schon wissen wollte
Wenn der Hase fuchsteufelswild wird: Meister Lampe ist nicht nur Fruchtbarkeits-Symbol und Überbringer süßer Eier. Er kommt auch in vielen Redewendungen der Europäer vor -- und spielt da ganz unterschiedlichte Rollen.
Viele glauben nicht an den Weihnachtsmann. Nun gut, aber die Existenz des Osterhasens ist über jeden Zweifel erhaben. Der Beweis: das Erst Osterhasen-Museum der Welt in München (Westenriederstraße 26, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr).
Woher aber kommt der Osterhase? Vielleicht aus Ungarn, denn die berühmte Margareteninsel in der Donau in Budapest hieß ursprünglich Haseninsel. Oder kommt er aus Spanien? Die Phönizier jedenfalls nannten diesen Landstrich "Küste der Kaninchen". Oder liegt seine Heimat in der Neuen Welt? Coney Island in New York heißt auch nichts anderes als Kanincheninsel -- von Holländisch konjin, Kaninchen.
Hanni Hase in Ostereistedt.
Vielleicht weiß Hanni Hase in Ostereistedt Bescheid. In diesem Dorf im Städtedreieck Bremen-Bremerhaven-Hamburg herrscht jetzt emsige Betriebsamkeit. Denn hier in Ostereistedt hat der Osterhase seine Werkstatt. Hanni Hase und Familie arbeiten in ihrem Häuschen am Waldrand tagein, tagaus. Rund 5000 Briefe mit Wunschzetteln und Osterbildern erreichen den Hasen pro Jahr. Wie immer beantworten er und seine Helfer jeden Brief und schicken ein Bild mit Adresse: Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt.
Die Umtriebe von Meister Lampe beschränken sich übrigens nicht nur auf die Osterzeit. Als Sternbild Hase (Lepus) leuchtet er nachts in der südlichen Hemisphäre, und als weißes Kaninchen hüpft Mümmelmann aus Zauberhüten im Varieté. Vor allem turnt der Hase durch zahlreiche deutsche Volksweisheiten und Metaphern.
Nicht so in anderen Sprachen. So mutiert der Angsthase im Spanischen zur "gallina" (Henne) und im Englischem zum "chicken" (Hühnchen), zum "yellow-dog" (gelben Hund) oder zur "fraid cat" (furchtsamen Katze). Mal sehen, wie der Hase läuft, heißt im Englischen "to wait how the cat jumps." Der Ort, wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen, heißt in Australien "beyond the rabbit-proof fence" (hinter dem Hasenschutzzaun). Umgekehrt bemüht man im Angelsächsischen Hase und Kaninchen für Dinge, die im Deutschen anderen Tieren zugeordnet werden. "As mad as a March hare" (eine Wortschöpfung vom "Alice im Wunderland" -- Autoren Lewis Carroll) hieße übersetzt "fuchsteufelswild," ein "harebrain" wäre ein Spatzengehirn, "Beach bunnies" kennen wir als Badenixen und "dust bunnies" als Wollmäuse. "Rabbit ears" waren Zimmerantennen, "rabbit food" ist Rohkost. "To chase a rabbit" bedeutet, mal austreten zu müssen.
In Buxtehude unterlag der Hase im Wettlauf dem Igel, kam später aber in der Literatur groß heraus. Zu den Klassikern gehören "Die Häschenschule" von Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus. Gleich 3 Bücher über Peter Rabbit schrieb Beatrix Potter ("Peter Hase," "Benjamin Kaninchen"). Aus Hollywood kamen der unsichtbare Hase "Harvey" (Film mit James Stewart 1950) sowie die Chaoten Bugs Bunny and Roger Rabbit.
Falscher Hase auf der Heide
Was den Griechen ihr Olymp, ist den Deutschen die Hasenheide in Berlin. Die Berliner stärken sich auch gerne mit einem Falschen Hasen (Berliner Hackbraten) und mixen sich einen "Appeljack Rabbit" Cocktail (1/2 Calvados, 1/3 Orangensaft, 1/4 Lime-Saft, 1 Spritzer Orangebitter, mit Eis).
Sage niemand, sein Name sei Hase ("to act the monkey" oder "to play the giddy goat"). Denn da liegt der Hase im Pfeffer oder "there's the rub!" (wie es Hamlet ausgedrückt hat). Man weiß ja: Aus einem kleinen Gebüsch springt oft ein großer Hase ("there's many a good cock come out of a tattered bag").
Der Dichter Eduard Mörike jedenfalls sah es ganz praktisch: "Die Sophisten und die Pfaffen stritten sich mit viel Geschrei: Was hat Gott zuerst erschaffen? Wohl die Henne? Wohl das Ei? Wäre das so schwer zu lösen? Erstlich ward ein Ei erdacht. Doch weil noch kein Huhn gewesen, Schatz, so hat's der Has gebracht!

